87 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at matisiert und ikonische Momente der Sammlung beleuchtet. Von den ersten Sammlungskatalogen über die von Kaiser Franz Joseph I. unterfertigte Gründungsurkunde des NHM Wien und einem historischen Spucknapf aus einem der Schausäle erstreckt sich der Bogen bis zu von Klimaklebern hinterlassenen Handabdrücken, die eindrücklich zeigen, welchen Veränderungen die Gesellschaft in den letzten 150 Jahren unterworfen war. Ein anderer Themenschwerpunkt der Kabinette sind die weiteren Standorte des NHM Wien: das Nationalparkinstitut Donauauen in Petronell, das archäologische Forschungszentrum in Hallstatt und die Pathologisch-Anatomische Sammlung im sogenannten Narrenturm in Wien. Im 20. und 21. Jahrhundert begannen Künstler, sich vermehrt mit dem Museum und seinen Sammlungen auseinanderzusetzen und eröffneten dabei völlig neue Sichtweisen. Von Malerei und Fotografie bis Performance und dem Einsatz künstlicher Intelligenz reicht das kreative Spektrum an Werken, die als eigene Galerie innerhalb der Ausstellung kuratiert sein werden. Die beiden Haupträume sind ganz dem Thema des Sammelns in seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz gewidmet. Die rasterförmige Anordnung des einen Saales spiegelt die Idee des Ordnens und Systematisierens. Den Rasterknoten sind einzelne Themenkomplexe zugeordnet, die in ihrer Vielfalt die Komplexität der Sammlungen aufzeigen. Der andere Saal gibt diese strenge Struktur auf und regt – im wörtlichen Sinne – anhand einiger ikonischer Objekte zum Wechsel der Perspektive(n) an. Das digitale Museum bildet den Schluss – oder den Anfang – des Rundgangs. Hier werden durch interaktive Animationen hochauflösende 3D-Modelle von Sammlungsobjekten projiziert und es wird die Frage aufgeworfen, ob das digitale Objekt ein adäquater Ersatz für „das Echte“ sein kann und was dies für das „Museum der Zukunft“ bedeuten könnte. Tempel des Wissens Ursprünglich waren die Objekte des Museums in der Hofburg untergebracht. Durch Platzmangel und Angst vor Bränden in den beengten Räumen führten zur Planung des heutigen Museumsgebäudes. Der prominente Platz an der Wiener Ringstraße symbolisierte den hohen Status der Wissenschaft in der Monarchie. Das Gebäude wurde von den Architekten Gottfried Semper und Carl Hasenauer im Stil des Historismus entworfen. Die prunkvolle Gestaltung des Hauses und seiner Schausäle ist untrennbar mit den wissenschaftlichen Inhalten und den gezeigten Objekten verwoben. Die Präsentation in 39 Schausälen folgt einer naturwissenschaftlichen Systematik – sie ist bis heute im Grunde unverändert geblieben. Am 10. August 1889 nahm Kaiser Franz Joseph I. die feierliche Eröffnung des Museums vor. Für die anschließende Besichtigung nahm er sich drei Stunden Zeit. In kürzerer Zeit ist ein umfassender Besuch auch heute kaum zu schaffen. © NHM Wien/Foto: Wilhelm Bauer-Thell © NHM Wien/Foto: Wilhelm Bauer-Thell © NHM Wien/Foto: Chloe Potter
RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=