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108 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at „Es sieht wie eine Wespe aus!“ Enrico Piaggio war fest entschlossen, ein erschwingliches Produkt für den Massenmarkt herzustellen – das Ergebnis war die Vespa. Auf der Grundlage eines Kleinmotorrades für Fallschirmjäger stellte er einen Motorroller her, der als „MP 5“ bekannt wurde und aufgrund seiner neuartigen Form „Paperino“ (ital. Für „Donald Duck“) genannt wurde. Da Enrico Piaggio mit dem Paperino aber nicht zufrieden war, überarbeitete Corradino D’Ascanio, der noch nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, das Konzept. Er zeichnete einen Entwurf, der absolut nichts mit existierenden Motorrädern gemeinsam hatte und einen revolutionären Konstruktionszugang verfolgte. Unterstützt von seinem Lieblingsdesigner Mario D’Este benötigte Corradino D’Ascanio für die ersten Skizzen der Vespa, die im April 1946 in Pontedera erstmals das Werk verließ, lediglich ein paar Tage. Getauft wurde es von Enrico Piaggio selbst, der beim Anblick des Prototyps MP 6 mit seinen Rundungen und der schmalen Taille ausrief: „Es sieht wie eine Wespe aus!“ Die Vespa war geboren. Bereits am 23. April 1946 meldete Piaggio & C. S.p.A. beim Zentralpatentamt für Erfindungen, Entwürfe und Warenzeichen des Ministeriums für Industrie und Handel in Florenz ein „Motorrad mit einem rationalen Verbund aus Funktionseinheiten und Elementen sowie einer Karosserie mit Kotflügeln und einer Abdeckung sämtlicher mechanischer Teile“ zum Patent an. Die anschließende Präsentation in der Öffentlichkeit rief gemischte Reaktionen hervor – dennoch ließ Enrico Piaggio 2.000 Stück der ersten Vespa (98 ccm Hubraum) produzieren. Verkauft wurde eine „Normalausführung“ um 50.000 Lire und eine „Luxusversion“ um 61.000 Lire mit ein paar Extras wie Tachometer, einem Seitenständer und eleganten Weißwandreifen. Ende 1947 kam es zu einer explosionsartigen Steigerung der Produktion. Im darauffolgenden Jahr kam die Vespa „125“ heraus, ein größeres Modell, das sich rasch als Nachfolger der ersten Vespa „98“ etablierte. Mit ihr verließ die erste Vespa mit 125 ccm und Stoßdämpfern am Hinterrad die Fabrik. Der Produktionsausstoß wuchs stetig: Wurden 1946 noch 2.484 Roller produziert, waren es im Jahr darauf schon 10.535. Die Vespa-Fertigung steigerte sich 1948 bereits auf 19.822 Stück. Auch auf dem globalen Markt außerhalb Italiens wurde man auf den Roller aufmerksam – sowohl die Öffentlichkeit als auch zahlreiche Journalistinnen & Journalisten bekundeten Neugier und Bewunderung. Die „Times“ nannte den Roller sogar ein „vollkommen italienisches Produkt, wie wir es seit dem römischen Streitwagen nicht mehr gesehen haben“. Vespa prägt seit 1946 die Modewelt (1970). Der erste Vespa-Prototyp: die MP 5 „Paperino“ (1945).

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