109 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at Die Vespa erobert die Welt Enrico Piaggio arbeitete stetig an der Verbreitung der Vespa im Ausland und schuf ein ausgedehntes Werkstättennetz, das bereits 1953 über zehntausend Piaggio-Servicestellen auf der ganzen Welt, auch in Amerika und Asien, umfasste. Auch die Produktion im Ausland wurde bereits 1950 gestartet. Nur zwei Jahre nach ihrem Debüt wurde die Vespa vom ersten deutschen Lizenznehmer, den Hoffmann-Werken in Lintorf, hergestellt und die Stückzahl der Produktion stieg auf 60.000 Fahrzeuge an. Im darauffolgenden Jahr nahmen Lizenznehmer in Großbritannien (Douglas in Bristol) und Frankreich (ACMA in Paris) die Vespa-Produktion auf. 1953 begann die Fertigung bei Moto Vespa in Madrid in Spanien (heute Piaggio España), unmittelbar gefolgt von Belgien (Jette bei Brüssel). Auch in Indien und Brasilien schossen Fabriken aus dem Boden. Bald wurde die Vespa in 13 Ländern hergestellt und in 114 vertrieben – darunter auch Australien, Südafrika (wo man sie als „Bromponie” oder „Moorpony“ kannte), Iran und China. 1953 verließen bereits 171.200 Roller die Werke. Schon früh begann Piaggio seine Produktpalette auf den Leichttransportsektor auszudehnen. 1948, kurz nach der Geburt der Vespa, lief die Produktion des dreirädrigen Kastenwagens „Ape“ (ital. für „Biene“) an. Abgeleitet vom Konzept des Rollers, war auch dieses Fahrzeug aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sofort ein Erfolg. Die Vespa „125“ aus dem Jahr 1953 zeigte dann eine bedeutende Abwandlung des Motors, die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 75 km/h. Mit der „Utility“-Version der Vespa „125 U“ kam eine kostensparende Version der 125er auf den Markt. Im Laufe der Zeit erschienen zahlreiche fantasievolle Versionen der Vespa, von denen einige auch von Piaggio selbst stammten, die jedoch hauptsächlich von Liebhabern gekauft wurden. Die französische Armee ließ sich etwa einige Vespa-Spezialanfertigungen bauen, darunter auch Modelle, mit denen Fallschirmjäger aus einem Flugzeug abspringen konnten. Die Vespa und das Kino Stylisch und unverwechselbar, ist die Vespa auch aus Filmen nicht mehr wegzudenken. Audrey Hepburn und Gregory Peck machten es vor und wurden in „Ein Herz und eine Krone“ 1953 auf einer Vespa abgelichtet. In zahlreiche Streifen – darunter „Quadrophenia“, „American Graffiti“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Dear Diary“ oder jüngere Produktionen wie „Alfie“ mit Jude Law und „Transformers“ oder im Animationsfilm „Luca“ (2021) – versprühte die Vespa italienisches Lebensgefühl. Auch bei Fotoshootings mit berühmten Persönlichkeiten wie Charlton Heston, Milla Jovovich, Sting, Matt Damon, Nicole Kidman und vielen weiteren punktete der Kultroller als „Reisebegleiter“. Mit der Vespa um die Welt – Rekorde, Rennsport und Langstreckenfahrten Auch im Rennsport konnte die Vespa einige Erfolge aufweisen. Bereits in den 1950er-Jahren nahm sie häufig sowohl bei normalen Motorradrennen als auch bei eher ungewöhnlichen sportlichen Veranstaltungen teil: So erreichte zum Beispiel der italienische Student Giancarlo Tironi auf seiner Vespa den Polarkreis und der Australier Geoff Dean unternahm mit der Vespa gleich eine vollständige Reise um die Welt. 1992 machte sich der Autor und Journalist Giorgio Bettinelli auf seiner Vespa auf den Weg von Rom nach Saigon. Tausende Kilometer sollten noch folgen: 1997 brach er von Chile aus auf und durchquerte mit seiner Vespa 90 Länder auf seiner Reise nach Tasmanien. Insgesamt hat Bettinelli 250.000 km auf einer Vespa zurückgelegt. Auch heute noch werden außergewöhnliche Abenteuer auf Vespas erlebt, wie etwa das in einem Kinofilm verarbeitete Projekt „Elephant to India“ (mit Vespas 20.000 km von Berlin nach Goa) in den Jahren 2018/2019 zeigt Beispiel aus der Vespa-Werbegeschichte (1962, UK).
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