Der Wirtschaftsführer für Wien, Niederösterreich und Kärnten - E-Book

123 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at 1803 Erzherzog Johann, ein Bruder von Kaiser Franz II./I., errichtet auf dem im Süden an die Menagerie grenzenden Berghang ein bewirtschaftetes Bauernhaus im Tiroler Stil, das bald als „Tirolerhof“ bezeichnet wird. 1828 Die erste Giraffe erregt bei den Wienern großes Aufsehen. Das Tierhaus muss für die Unterbringung des „hohen Gastes“ vergrößert und adaptiert werden. Zahlreiche modische Accessoires mit Giraffen-Motiven sorgen für Entzückung in der Damenwelt. Ein Theaterstück und zwei Kompositionen „à la Giraffe“ entstehen. Bis heute hat sich das Rezept der damals entstandenen „Giraffentorte“ erhalten. 1841 Ein neu eingerichtetes Affenhaus, dem wenige Jahre später ein großer, achteckiger Sprungturm angebaut wird (bis 1907), wird zu einer Attraktion für die Besucher. 1848 Die Menagerie übersteht die Revolutionsereignisse einschließlich der Beschießung Wiens durch die kaiserliche Artillerie unbeschadet. 1858 In Schönbrunn wird erstmals eine Giraffe geboren. 1865 Die „Inspektion der Menagerie Schönbrunn“ wird von der gemeinsamen Verwaltung mit den Hofgärten gelöst und eine selbstständige „Administration“ des kaiserlichen Hofes unter der Zuständigkeit des Obersthofmeisteramtes. 1884 Unter Alois Kraus (Direktor 1879–1919) beginnt eine groß angelegte Modernisierung der Anlage. Dabei werden auch die fast vier Meter hohen Trennmauern zwischen den einzelnen Tierabteilungen („Logen“) durch Gitter ersetzt und weite Teile der Umfassungsmauer abgetragen. Die Besucher erhalten bessere Zugangsmöglichkeiten, und die technische Infrastruktur wird verbessert. Alois Kraus erreicht auch erste kleine Gebietserweiterungen für den Tiergarten. 1906 Am 14. Juli erfolgt in Schönbrunn die weltweit erste Geburt eines in einem zoologischen Garten gezeugten Elefanten. 1914 Schönbrunn zählt mit nahezu 3.500 Tieren in 717 Arten zu den schönsten und größten Zoos der Welt. 1921 Nachdem nur knapp vierhundert Tiere den Ersten Weltkrieg und die anschließenden Versorgungsengpässe überlebt haben, wird der Tiergarten dem „Ministerium für Handel und Wirtschaft, Industrie und Bauten“ unterstellt und als Staatsbetrieb weitergeführt. Die Wiener fördern im Rahmen einer Hilfsaktion und durch zahlreiche Tier- und Sachspenden den Fortbestand des Tiergartens. Am Tirolerhof wird ein Restaurant eröffnet, das durch einen neu angelegten Weg mit dem Tiergarten verbunden ist. Publikumsmagnet schon vor 200 Jahren Die Menagerie Schönbrunn war bis gegen Ende der Regierungszeit Maria Theresias (Maria Theresia starb 1780, Franz Stephan 1765) im Wesentlichen der kaiserlichen Familie vorbehalten. Neben Diplomaten und privaten Gästen zählten aber auch bald schon Schulklassen zu den Besuchern der Anlage. 1778 wurde die Menagerie zusammen mit Schloss und Park für „anständig gekleidete Personen“ geöffnet – zunächst jedoch nur an Sonntagen. Nachdem 1770 der erste Elefant und 1781 mit Wölfen und Bären auch erstmals „Raubtiere“ nach Schönbrunn gekommen waren, nahm unter dem Einfluss der Napoleonischen Kriege und der damit verbundenen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen die Bedeutung der Menagerie weiter zu. Um 1800 kamen die ersten Eisbären, Großkatzen, Hyänen und Kängurus sowie ein weiteres Paar Indischer Elefanten nach Schönbrunn. Die neuen Tiere waren „Publikumsmagneten“ – sie lockten Besucher aus Wien und seiner Umgebung, aber auch viele ausländische Gäste in die kaiserliche Menagerie. Zu jener Zeit war der Tiergarten bereits täglich zu besichtigen und die ersten ausführlicheren Beschreibungen und „Zooführer" entstanden. Zoos im Detail

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