124 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at 1926 Die großen Greifvogel-Volieren am heutigen Affenteich (damals Ententeich), ein europaweit vorbildhaftes Bauwerk, werden unter Direktor Otto Antonius (1925–1945) fertiggestellt. Im September erfolgt anlässlich der erstmals in Wien stattfindenden Konferenz der Direktoren mitteleuropäischer zoologischer Gärten die offizielle Namensänderung von „Menagerie“ auf „Tiergarten“. 1936 Der Tiergarten erhält große Teile des im Osten angrenzenden ehemaligen Kleinen Fasangartens als Ausbaufläche. Die Verbauung des Areals und die Modernisierungsvorhaben im historischen Teil werden jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Im Pavillon ist seit 1934 eine Dioramenschau über die eiszeitliche Tierwelt Österreichs zu sehen. 1945 Der Tiergarten Schönbrunn wird von zahlreichen Fliegerbomben getroffen. Viele Tierhäuser werden zerstört oder schwer beschädigt. Mehr als tausend Tiere sterben. Nach Kriegsende helfen die sowjetischen und später die britischen Besatzungstruppen beim Wiederaufbau. Der neue Direktor Julius Brachetka intensiviert die schon unter Otto Antonius begonnene Zusammenarbeit mit den Medien. Mit Plakat-Aktionen und Fotowettbewerben werden die Besucher wieder für den Tiergarten begeistert. 1949 Im Zentralpavillon wird ein Café-Restaurant eingerichtet. 1952 Anlässlich des 200-jährigen Gründungsjubiläums des Tiergartens wird im Schloss Schönbrunn eine historische Sonderausstellung gezeigt. In den Folgejahren entstehen nach einem Bebauungsplan des Architekten Prof. Michel Engelhart im historischen Bereich eine Reihe neuer Gehege, deren Baustil dem vorhandenen barocken Ambiente angepasst wird. Auch der Ausbaubereich zwischen Affenhaus und Eingang Neptunbrunnen wird in den nächsten 20 Jahren neu bebaut. 1953 Um das ständige Problem des unsachgemäßen Fütterns der Tiere durch die Besucher in den Griff zu bekommen, werden kleine, auf einzelne Tierarten abgestimmte Futtersäckchen verkauft. Ein neuer, leistungsfähigerer Wirtschaftshof soll auch im Tiergarten selbst eine bessere Versorgung der Tiere gewährleisten. 1959 Im historischen Bereich wird an der Stelle des durch Bomben beschädigten ehemaligen Straußen- und Reptilienhauses, in dem von 1923–1945 ein Restaurant eingerichtet war, ein neues Aquarien- und Terrarienhaus eröffnet. Es zählt zu den modernsten der Welt. 1961 In Schönbrunn erfolgt die weltweit erste Nachzucht des europäischen Seeadlers. 1969 Der neue Kinderzoo wird seiner Bestimmung übergeben. Anfang des 19. Jahrhunderts: Alles à la Giraffe Unter Franz II./I., der Österreich von 1792 bis 1835 regierte, erhielt Schönbrunn als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten erstmals eine Giraffe. Ihre Ankunft im Jahr 1828 beeinflusste in Wien Mode, Kunsthandwerk und Gesellschaftsleben und führte zu einem nie da gewesenen Zustrom von Besuchern. Unter anderem entstanden Kleider, Handschuhe und Gebrauchsgegenstände mit Giraffenmotiven, Frisuren und ein Parfüm à la Giraffe. Auch eine Giraffentorte und die „Giraffeln“, ein Mürbgebäck, das noch bis weit ins 20. Jahrhundert im Sortiment der Wiener Bäcker zu finden war, wurden erfunden. Der Wiener Theaterdirektor und Schriftsteller Adolf Bäuerle schrieb das Theaterstück „Die Giraffe in Wien oder alles à la Giraffe“, und es wurden zwei Musikstücke komponiert, deren Noten bis heute erhalten sind. Zum architektonischen Erbe des Biedermeier gehörten in Schönbrunn neben dem noch heute bestehenden Giraffenhaus auch zwei große Bärenzwinger und ein Affenhaus mit einem achteckigen Sprungturm. Beide Anlagen sind nicht mehr erhalten. Die modernen Zeiten brechen an Im späten 19. Jahrhundert veränderte sich das Erscheinungsbild der Menagerie signifikant. Alois Kraus (1840–1926), der den Tiergarten von 1879 bis Anfang 1919 leitete, erreichte eine tier- und besucherfreundlichere Umgestaltung der historischen Bauten. Viele der Gehege wurden in einem damals als artgerecht empfundenen Sinn mit Felskulissen und Baumdekorationen neu eingerichtet. Die Wege wurden saniert, neue Bänke wurden aufgestellt, Wasserleitungen und Sanitäranlagen wurden gebaut.
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