43 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at Die Figuren bewegen sich durch offene, nicht eindeutig zuzuordnende Räume, jenseits konkreter religiöser oder geografischer Zuschreibungen. Ihre Begegnungen erzählen von einer geteilten Geschichte und von Erfahrungen, die Menschen unabhängig von religiöser Zugehörigkeit verbinden. Es geht um Neugier, Zweifel, Hoffnung und den Wunsch, die Welt und den eigenen Platz in ihr zu verstehen. Eine Ausstellung zum Verweilen Die Ausstellungsgestaltung des Wiener Designbüros Vandasye übersetzt diesen künstlerischen Ansatz konsequent in den Ausstellungsraum und schafft mitten im Jüdischen Museum einen begrünten Ort der Begegnung. Der interaktive Ansatz der Ausstellung wird im eigens kuratierten Kreativbereich fortgesetzt. Besucher*innen sind eingeladen, mit ihrer Kreativität die „Wall of Tolerance“ zu füllen und ihre eigenen Perspektiven einzubringen. Gemeinsam gestaltet wird die „Wall of Tolerance“ zu einem kollektiven Kunstwerk der Ausstellung, das Menschen verbindet. Kunst in einer politisierten Gegenwart Die Arbeiten entstehen vor dem Hintergrund einer Gegenwart, in der Weltanschauungen und religiöse Zugehörigkeiten zunehmend politisiert und gegeneinander in Stellung gebracht werden. Shakines Werkzyklus begegnet dieser Entwicklung mit einer präzisen und zugleich poetischen Bildsprache, die auf das Menschliche verweist. Seine Figuren treten nicht als Vertreter von Gegensätzen auf, sondern als Menschen, die nebeneinander existieren und durch ihre Verletzlichkeit miteinander verbunden sind. Darum sind „der Muslim, der Christ und der Jude“ auch keine Figuren eines Witzes, bei dessen Pointe einer am besten aussteigt, sondern drei unterschiedliche und doch sehr ähnliche Figuren, die sich in denselben Situationen wiederfinden. Wien als Resonanzraum Wien ist seit Jahrhunderten ein Ort der Koexistenz, Reibung und gegenseitigen Prägung der drei abrahamitischen Religionen. „A Muslim, a Christian, and a Jew“ knüpft an diese Geschichte an und übersetzt sie in eine universelle Gegenwart. Eran Shakine setzt die drei Protagonisten für die Wiener Ausstellung gemeinsam auf das Riesenrad. Vom Dach einer Gondel aus blicken sie aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Stadt, sind jedoch Teil eines gemeinsamen Erlebens. Zum Künstler Eran Shakine wurde 1962 in Israel als Sohn einer ungarischen und eines französischen Schoa-Überlebenden geboren und lebt und arbeitet in Tel Aviv. Seine Werke wurden international ausgestellt, unter anderem in New York, Paris, London und Berlin, und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. Mit der Präsentation im Jüdischen Museum Wien ist seine Arbeit erstmals in Österreich zu sehen. Mit „A Muslim, a Christian, and a Jew“ setzt das Jüdische Museum Wien ein Zeichen für Dialog und Offenheit. Die Ausstellung lädt dazu ein, im Anderen nicht nur das Fremde, sondern das Gemeinsame sichtbar werden zu lassen. Mehr Infos unter: www.jmw.at
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