130 Ausgabe Juni 2026 www.der-wirtschaftsfuehrer.at 2008 Um den Zustrom zu Fu Long, der Ende Jänner erstmals seine Wurfbox verlässt, in geordneten Bahnen zu halten, werden zum ersten Mal seit der Ankunft der ersten Giraffe in Wien im Jahr 1828 Sicherheitskräfte eingesetzt. Sie sorgen für eine „Blockabfertigung" vor dem Pandahaus und kümmern sich um die Einhaltung der zum Schutz Fu Longs erlassenen Sicherheitsvorschriften. Mit der Eröffnung des Heimtierparks und des ersten Teils des Naturerlebniswegs, „Am Wasser", werden zwei neue Bauprojekte fertiggestellt. Im Sommer werden zum zweiten Mal die „Artenschutztage" abgehalten, in deren Rahmen auch das Jubiläum „180 Jahre erste Giraffe in Schönbrunn" gefeiert wird. Anfang des Jahres erscheint das Buch „Wildnis Zoo" des prämierten Naturfotografen Daniel Zupanc mit Texten der Kuratorin für Forschung und Artenschutz, Regina Pfistermüller, das von einer gleichnamigen Fotoausstellung im Wiener Naturhistorischen Museum und später auch im Tiergarten begleitet wird. Fu Long und zahlreiche weitere attraktive Jungtiere wie Eisbären, Löwen und Tiger bescheren dem Tiergarten Schönbrunn bis Jahresende mit 2,6 Millionen Gästen einen neuen Besucherrekord. 2009 Im Mai wird die neue „Tiergarten Orang.erie" eröffnet. Das im Biedermeier als Gewächshaus errichtete und nun revitalisierte Gebäude sollte bereits vor mehr als 100 Jahren Teil des Tiergartens werden. Es beherbergt ein großzügiges Orang-UtanGehege, einen Veranstaltungssaal, Büroräume und das Archiv des Tiergartens sowie das Café Atelier Nonja. Am Hang des Glorietteberges wird der zweite Teil des Naturerlebniswegs, „Im Wald", für die Besucher freigegeben. Im Frühjahr wird der Tiergarten Schönbrunn von Anthony Sheridan, einem Londoner Unternehmer und Vorstandsmitglied der Zoological Society of London, als bester von insgesamt 60 großen europäischen Zoos ausgezeichnet. Die früher als Malerin bekannt gewordene Orang-Utan Dame „Nonja" erhält bald nach ihrer Übersiedlung in das neue Gehege eine Digitalkamera mit Internet-Anschluss und wird zu einem Star auf Facebook. Im Herbst müssen sich Mitarbeiter und Besucher schweren Herzens von Fu Long verabschieden, der mehr als zwei Jahre nach seiner Geburt an China, den Leihgeber der beiden Elterntiere, übergeben wird. 2010 Im Juni kann die großzügige neue Südamerikaanlage ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie wird von Wasserschweinen, Flachlandtapiren, Großen Ameisenbären, Vikunjas, Seriemas und Nandus bewohnt. Eine im Regenwaldhaus entdeckte neue Schneckenart wird nach dem Kurator des Hauses, Harald Schwammer, „Schwammeria" genannt. Das Jahr bereitet dem Tiergarten Schönbrunn einen reichen Kindersegen: neben zwei Jungtieren der fast vollständig verschwundenen asiatischen Batagur-Schildkröte (derzeit sind nur mehr 20 Tiere bekannt, davon sechs im Tiergarten Schönbrunn) und den ersten Beulenkrokodilen in der Geschichte des Tiergartens kommen auch einige Publikumslieblinge zur Welt wie „Tuluba", das erste Afrikanische Elefantenbaby seit sieben Jahren, der zweite, erneut auf natürlichem Weg gezeugte kleine Große Panda, der nach einer Internet-Abstimmung auf den Namen „Fu Hu" (glücklicher Tiger) getauft wird, oder ein Zweifingerfaultier. Am Glorietteberg ziehen Arktische Wölfe an Stelle der bisherigen Timberwölfe ein. Der Naturerlebnisweg „Im Wald" erhält im unteren Teil Terrarien für heimische Amphibien und Reptilien und einem Kletterplatz Restaurant befunden hatte, ein modernes neues Aquarienhaus in Betrieb genommen. Die mediengerechten Auftritte von Julius Brachetka (Direktor 1945–1958), oft in Begleitung von Schönbrunner Tieren, waren eine Mischung aus tiergärtnerischem Engagement und Unterhaltung und entsprachen dem neuen Zeitgeist. Die ersten Plakate, von denen viele auch prämiert wurden, entstanden, und Fotowettbewerbe wurden veranstaltet. Mit der Neubebauung des ehemaligen Kleinen Fasangartens – die vor dem Zweiten Weltkrieg dort entstandenen Gehege waren 1945 durch Bomben zerstört worden – erreichte der Tiergarten Schönbrunn unter Walter Fiedler (Direktor 1959–1987) nahezu eine Verdopplung seiner ursprünglichen Fläche auf nunmehr zwölf Hektar. Bis zum Beginn der 1970er-Jahre wurden hier Gehege für Stelz- und Wasservögel, Hirsche, Bergwiederkäuer, Pinguine, Bären und Robben errichtet, die als Freisichtanlagen konzipiert waren. Weitere Meilensteine unter Walter Fiedler waren die Eröffnung eines Kinderzoos (1969) und die Einrichtung einer Zoopädagogischen Abteilung (1976). Ausgliederung und Aufschwung Trotz dieser Neuerungen und trotz zum Teil herausragender Zuchterfolge – so gelang bereits 1960 die Handaufzucht eines Eisbärenbabys („Kara") oder 1961 die weltweit erste Nachzucht europäischer Seeadler – hatte der Tiergarten bald mit Imageproblemen zu kämpfen. Die Tierhaltung galt als veraltet und die Besucherzahlen waren rückläufig. Diskussionen über die Auflösung des Tiergartens bzw. über seine Verle-
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